Bewerben auf Englisch
Montag, den 21. Juni 2010Zurückhaltung? Fehlanzeige. Wer in England oder Amerika seine Bewerbungsunterlagen verschickt, wartet nicht lange, was passiert. Und das ist nur einer der Unterschiede.
Bei englischen Bewerbungen sehr wichtig: Präsentieren Sie den Lebenslauf so, dass er genau auf die ausgeschriebene Position passt.
Die englischsprachige Bewerbungsmappe besteht aus zwei Dingen: dem Anschreiben (Cover Letter) und dem Lebenslauf (amerikanisch: Resume, britisch: CV). Zeugnisse (References) und Referenzen (Recommendations) reicht der Bewerber erst auf Anfrage nach.
Der Lebenslauf (Resume) ist das Kernstück einer englischsprachigen Bewerbung. Die Länge ist nicht festgelegt. Gerade hier gilt jedoch, Wichtiges von Umwichtigem zu trennen. Noch viel mehr als in Deutschland legen Personaler im angloamerikanischen Raum Wert auf die sorgfältige Ausarbeitung des Resumes. Es gilt, Übereinstimmungen zwischen angestrebter Stelle (dem Job Objective) und dem eigenen Ausbildungsweg deutlich herauszuheben.
Die Darstellung ist gegenchronologisch. Die letzte Arbeits- oder Ausbildungsstelle wird also zuerst genannt und zeigt, dass die angestrebte Stelle der perfekte nächste Schritt in der Karriereentwicklung des Bewerbers ist. Falsche Bescheidenheit bringt nichts und kann sogar zum KO-Kriterium werden. Deshalb: Punkte, die mit den Anforderungen übereinstimmen, fett drucken, unterstreichen oder mit Hinweiszeichen versehen. Es reicht jedoch, sich auf die zwei oder drei markantesten Punkte zu konzentrieren, statt jede kleine Gemeinsamkeit aufzuführen.
Bewerben ohne Foto
Um Missverständnisse zu vermeiden, muss man darauf achten, dass die Noten und Abschlüsse richtig übersetzt sind. Damit stellt man gleichzeitig seine Englischkenntnisse unter Beweis. Peinlich wird es für den, der sein Abitur (A-Level) im “Gymnasium”, also in der Turnhalle, und nicht in der “Grammar School” gemacht hat. Dass Diplom mit “Master Degree” übersetzt wird und Lehre mit “Apprenticeship”, findet man in Bewerbungswörterbüchern.
Ein Bewerbungsfoto ist in US-amerikanischen Bewerbungen tabu und auch in englischen nicht üblich. Die persönlichen Angaben beschränken sich auf Name, Adresse, Telefon, Fax und E-Mail. Das Alter wird zumindest bei der amerikanischen Version weggelassen. Weitere Punkte wie Geburtsort oder Beruf der Eltern stossen auf Unverständnis oder werden im schlechtesten Fall als formale Fehler gewertet.
Wichtig sind allein die Fachkenntnisse und zusätzliche Qualifikationen. Und die kann man im Cover Letter noch betonen.
Der Cover Letter dient in erster Linie dazu, das grosse Interesse an der ausgeschriebenen Stelle zu bekunden und durch ein oder zwei ausgewählte Qualifikationen zu belegen, dass man der geeignete Kandidat für den Job ist. Früher haben Bewerber oft alle Energie in die perfekte Gestaltung des Lebenslaufs gesteckt und das Anschreiben vernachlässigt. Ein sorgfältig ausgearbeiteter Cover Letter fällt jedoch in jedem Fall positiv auf. Ausserdem kann man im Fliesstext des Cover Letter viel besser seine Formulierungs- und Sprachkenntnisse unter Beweis stellen.
Englische Bewerbung
- US-amerikanische/britische Bewerbung
Keine Anlagen – die Bewerbung besteht ausschliesslich aus Cover Letter (Anschreiben) und Resume/CV (Lebenslauf). References und Recommendations schickt man auf Anfrage nach. - Das Resume/CV ist eins zu eins auf die angestrebte Stelle zugeschnitten.
- Die amerikanische Bewerbung enthält kein Foto und keine persönlichen Angaben!
Auch in englischen Bewerbungen ist ein Foto unüblich. - Nach Einreichung der Unterlagen oder nach einem Vorstellungsgespräch: Initiative zeigen und am Ball bleiben (Telefonanrufe, Thank-you-Letter, Annahme oder Ablehnungsschreiben)
- Datum
US-amerikanisch: MM/TT/JJJJ (June 21, 2010)
britisch: TT/MM/JJJJ (21 June 2010)
Kein Abwarten und Tee trinken
Der auffälligste Unterschied zwischen englischer und deutscher Bewerbung ist das aktive Verhalten des Bewerbers. Während des gesamten Bewerbungsprozesses ruft sich der Bewerber immer wieder ins Gedächtnis des Personalers, erkundigt sich nach dem Stand der Dinge, hakt nach. Aber bitte auf die feine englische Art. Der Kontakt zum Unternehmen ist zwar hartnäckig aber höflich.
Es ist ein Muss, im Vorfeld telefonisch den Namen der Kontaktperson herauszufinden und die Bewerbung direkt an sie zu schicken. Ebenso wichtig ist es, bereits drei bis vier Tage später anzurufen und zu fragen, ob die Unterlagen angekommen sind, ob etwas unklar ist oder weitere Informationen gewünscht sind. Zurückhaltendes Warten auf eine Einladung oder eine Absage wird als Desinteresse gewertet.
Nach dem Vorstellungsgespräch
Auch wer bereits das Vorstellungsgespräch (Interview) gemeistert hat, lehnt sich danach nicht entspannt zurück. In einem Thank-you-Letter bedankt man sich beim Gesprächspartner beispielsweise für die gute Gesprächsatmosphäre oder den interessanten Informationsaustausch.
Ist es endlich geschafft, und die Zusage flattert ins Haus, akzeptiert man in einem Annahmeschreiben das Angebot, bedankt sich und kann ruhig auch seiner Freude Ausdruck verleihen. Ist das Interesse an der Stelle bereits abgekühlt, lehnt man in einem ebenso höflichen Absageschreiben das Angebot ab.
Quelle: hobsons.ch